S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): "Welcome. Please, come in." - Hannibal
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Donnerstag, 17. April 2014

"Welcome. Please, come in." - Hannibal


Es ist schon ein paar Monate her, seit ich zum ersten Mal von der Serie gehört habe, und praktisch niemand hat sie nicht weiterempfohlen.
"Da muss doch was dran sein."
Möglich, aber ich weiß nicht was. ^^

Nun habe ich der Serie 8 Episoden lang eine Chance gegeben, was sehr selten vorkommt, wenn mir etwas nicht wirklich gefällt. (Sogar "Sons  of Anarchy" hat bei mir nur 4 Folgen lang überlebt.)
Sie ist für mich also kein Totalsausfall wie z.B. "Justified", "Revolution" oder (und jetzt kommen sicher gleich Steine geflogen) "Sherlock", bei denen ich schon nach der Hälfte der ersten Episode genug hatte. Trotzdem wirkt "Hannibal" insgesamt auf mich, wie der verzweifelte Versuch des NBC-Networks, mit HBO- bzw. AMC-Serien wie "Breaking Bad", "Game of Thrones", "True Blood" oder "The Walking Dead" mithalten zu können. Neben dem ebenbürtigen Blut- und Eingeweideanteil verzichtet NBC bei "Hannibal" allerdings auf die beiden anderen Grundbausteine des Erfolgs der Konkurenz: Qualität und (lebende und/oder untote) Titten.
Über Letzteres muss ich wohl kein weiteres Wort verlieren. Aber was meine ich mit Qualität?

Prinzipiell geht's in der Serie um Will Graham, der die Gabe der perfekten Empathie besitzt. Das würde ihn zu einem ausgezeichneten Profiler machen, hat ihn allerdings zu einem menschenscheuen psychischen Wrack verkommen lassen. Er wird als Special Agent vom FBI rekrutiert um bei der Aufklärung einer außergewöhnlichen Mordserie zu helfen. Dabei beginnt er sich mit dem Psycholanalytiker Hannibal Lecter anzufreunden, der ihm anfangs nur seine Tauglichkeit bescheinigen soll, sich aber mehr und mehr als große Hilfe bei der Ausforschung der Täter herausstellt.

Interessante Hauptcharaktere ist das Mindeste, das man da verlangen kann, und einer der Hauptpunkte, warum man sich überhaupt eine Serie weiter ansieht. "Hannibal" hat dahingehend jede Menge Potential, nutzt es aber leider nicht. Ich schieb's nicht auf die Darsteller, vielmehr auf die Autoren und Produzenten der Serie, die es nicht schaffen, gewisse charakterliche Eigenheiten ordentlich auszuarbeiten, wodurch dann natürlich auch die Schauspieler Probleme damit bekommen, sie glaubhaft auf den Bildschirm zu bringen. Es wird sich keine Zeit genommen um die Charaktere ordentlich aufzubauen und näher auf sie einzugehen, was dazu führt, das sie einem schon nach der ersten Folge herzlichst am Arsch vorbeigehen, was sich auch später nicht ändert. Ehrlich, es gibt keinen einzigen Charakter, der einem besonders sympathisch oder unsympathisch ist.

"Gut, wegen der Figuren kuckt man die Serie also nicht. Warum dann? Wegen der Mordfälle?"
Die Oberflächlichkeit setzt sich bei den psychopathischen Serienmördern fort und erreicht dort sogar ungeahnte Höhen. Um die geht es nämlich im Prinzip gar nicht. Sie werden mehr oder weniger nur als Mittel zum Zweck gehandhabt um Will weiter zu verstören und somit die Zusammenarbeit mit Lecter zu vertiefen und dessen Einflussauf ihn zu erweitern.
Dabei wären die Fälle teilweise echt fucking genial creepy. Ich meine, ein Fachmann für Streichinstrumente, der Saiten aus menschlichem Darm herstellt und sich aus einem Chellisten einen Korpus bastelt?! Supergeile Idee, verdammt! :D Und davon gibt's einige. Nur leider wird in keinster Weise auf die Hintergründe der Morde eingegangen. Sämtliche Täter besitzen weder ein Motiv noch den Hauch einer Hintergrundgeschichte. Sie sind einfach nur da. WHAT?! THE?! FUCK?! Ó.o
Hier wurde eine RiESiGE Chance vertan. Gleiches gilt für Wills Fähigkeit, deren Herkunft nicht im Ansatz erklärt oder wenigstens angedeutet wird. Hat denn keiner von den Verantwortlichen für "Hannibal" auch nur eine einzige Folge von "Dexter" gesehen?
Noch dazu wird keine wirkliche Aufklärungsarbeit betrieben. Wills empathische Eingebungen, die aus eben genanntem Grund fürchterlich unnachvollziehbar wirken und mit denen er zu 90% immer recht hat, sind im Grunde alles,  was zur Lösung der Fälle notwendig ist. Who needs forensics anyway, right? -_-°
(Ich fühle mich dabei unangenehm an "Sherlock" erinnert, der für mich ähnlich uninteressant ist wie Superman. Kann alles, weiß alles, macht alles ... am Besten alleine ... alles gleichzeitig ... innerhalb von Sekunden. m( )
Aber auch drumherum sorgen klaffende Wunden in der Logik des Drehbuchs dafür, dass ich die Serie nicht genießen kann.
Beispiel gefällig? (Text markieren um ihn besser sichtbar zu machen. VORSiCHT: SPOiLER!)
In einer Folge kehrt die Tochter eines Stadtbekannten Mörders und Kannibalen in ihr Elternhaus zurück, das von der Polizei von einem wütenden Nachbarmob abgeschirmt wird. Auf dem Weg hinein wird gerade eine Journalistin abgeführt, die von hinten auf das Gelände gelangt ist. Diese gibt während ihrer Verhaftung sogar noch den sarkastischen Ratschlag von sich, dass die Polizei die Sicherheit im hinteren Bereich des Grundstücks erhöhen sollte. Wie sich wenige Minuten später herausstellt, wurde der Tipp ignoriert, da sich plötzlich der Bruder eines der letzten Opfer ungesehen von hinten ins Haus schleicht.
(Nur zu Erinnerung: das steht ein Haufen rachsüchtiger Menschen am vorderen Tor und die Cops sind dazu da, die Leute allgemein vom Gelände fernzuhalten.)
Der Typ wird in Notwehr von dem Mädchen nicht nur abgestochen, sondern danach auch noch ausgeweidet. (Ja, sie hat auch einen Schaden abbekommen. Liegt in der Familie.) Dass sie während des kurzen Gerangels niemand schreien hört, lass ich jetzt mal weg. ;)
Lecter findet sie und gemeinsam verstecken sie die Leiche. Der Polizei erzählen sie nur, dass ein Angriff stattgefunden hat und der Täter auf der Flucht ist. Was Lecter und das Mädel mit dem Körper IN EINEM VON DER POLIZEI UMSTELLTEN HAUS gemacht haben, bleibt ungeklärt. Möglich, dass sie ihn einfach hinten über den Zaun geschmissen haben. Bei der schlampigen Arbeitsweise der Exekutive würde es auch nicht weiter wundern, wenn die Beiden die Leiche einfach unter den Teppich gelegt oder im Schrank versteckt hätten. Kommt ja sowieso keiner auf die Idee, nach einem tätlichen Angriff das Grundstück und das Haus nach dem Täter abzusuchen.
Facepalmfaktor OVER 9000!!!

Mads Mikkelsen, der Darsteller von Hannibal Lecter, tritt ein schweres Erbe an. Immerhin muss er sich mit Anthony Hopkins aus den Filmen "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" messen. Nein, ich habe mir natürlich keine für Generationen unschlagbare Neuinterpretation unser aller Lieblingskannibalen erwartet, so wie es Heath Ledger beim Joker vollbracht hat. Trotzdem wäre etwas mehr als das Dargebotene durchaus drin gewesen. Das liegt allerdings nicht am Schauspieler, der seine Sache wirklich gut macht. Wie schon erwähnt sind die Figuren grässlich geschrieben. Durch den Ablauf der Serie und die Handlungen der Charaktere wird für mich ein falsches Bild der Protagonisten gezeichnet. Ich nehme Will den soziopathischen Serienmörder ab, aber nicht den über-empathischen Soziophobiker. Dr. Lecter nehme ich den geschmacklich etwas verwirrten (was Einrichtung und Dekor betrifft), zwielichtigen Gentleman ab, jedoch nur bedingt den soziopathischen Serienmörder und Menschenfleischgenießer. Für mich passt alles nicht wirklich zusammen.
Durch mein immer schon vorhandenes Interesse am Makaberen, einer Unzahl von Horrorfilmen und Spielen für Erwachsene, bin ich bereits einiges gewohnt, was die Darstellung von Blut und Innereien betrifft. Den normalen Fernsehzuschauer mag das Angebot dessen in "Hannibal" zwar vielleicht noch schocken, doch ich erwarte nichts anderes von einer Geschichte über psychisch gestörte Killer und ihre ähnlich verstörten Jäger. Dahingehend betreibt die Serie glücklicherweise sehr wenig Zurückhaltung, auch wenn es oft übertrieben aufgesetzt rüberkommt.
Teilweise merkt man "Hannibal" regelrecht an, dass man schocken will und "muss", weil man ja schließlich mit anderen Sendern mithalten möchte. Schade. Denn dadurch geht viel des atmosphärischen Psychothriller-Potentials verloren. Eine Andeutung bewirkt in den Köpfen der Zuschauer manchmal mehr als eine in-your-face Offenbarung der Geschehnisse. Dafür braucht man jedoch die Leute, die das auch auf den Bildschirm bringen können, und einen Fernsehsender, der das auch will. Ein plötzliches Blutgewitter fängt das Publikum allerdings um ein Vielfaches schneller und einfacher, als das sich langsam annahende Donnergrollen eines ernstzunehmenden Spannungsbogens. Nichts gegen Blutgewitter, aber sobald das vorbei ist, muss der Rest genug bieten um mein Interesse aufrecht zu halten. "Hannibal" schafft das leider nicht.

Schlussendlich bleibt mir nichts weiter zu sagen als: "Schade drum."
Vielleicht werde ich mir die erste Staffel irgendwann noch fertig ansehen. Das kann aber etwas dauern, denn eigentlich hat's mich nur noch aufmerksamer auf "Dexter" gemacht, von dem ich ja nur die ersten beiden Staffeln ziemlich halbherzig verfolgt habe.

Dear creators of Hannibal, if that is your design: nice try, better luck next time.


[Nachtrag, 21:53 Uhr:
Ich bin durch die ganzen Fehler der Serie so übersensibilisiert, dass mir sogar das ethnisch überkorrekte Patchwork-Cast auf die Nerven geht. Weisser FBI Special Agent, schwarzer Boss, asiatische Pathologin, Psychonanalytiker mit europäischem Akzent, und dazu noch eine dunkelhaarige, eine blonde und eine rothaarige Nebendarstellerin. Als würde man sich krampfhaft darum bemühen, die größtmögliche Mischung unterzubringen. Soviel Vielfalt gibt's nichtmal in Star Trek. XD
Nicht, dass ich was dagegen hätte. In anderen Serien fällt mir sowas gar nicht auf. Durch den Vergrößerungsglas-Effekt der Schwächen von "Hannibal" kann ich es jetzt aber nichtmehr nicht sehen. Ab einem gewissen Punkt wird eben über ALLES gemeckert. ^^ ]

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