S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Schlimmes Erbrechen
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Dienstag, 2. September 2014

Schlimmes Erbrechen

"To W.W.
My star, my perfect silence."
- G.B.


[Ich versuch das hier so spoilerfrei wie möglich zu halten. Ein paar Kleine werden sich aber nicht verhindern lassen.]
Ein Tribut an die beste Fernsehserie, die ich bisher gesehen habe. (Ja, das schließt auch "Game of Thrones" usw. mit ein.)
Grund dafür ist, dass es die einzige mir bekannte Serie ist, die wirklich von Staffel zu Staffel immer besser wird. Die Ereignisse ziehen immer weitere Kreise, während die Schlinge um den Hals mancher Charaktere stetig enger wird, bzw. sie ihren Kopf von einer in die nächste stecken. Das alleine mag vielleicht nichts Besonderes sein, aber die Art der Durchführung ist es, die mich am meisten an "Breaking Bad" fasziniert.

What up, biatch?
Walter White ist Chemielehrer an der High School in Albuquerque, New Mexico.
Als er zu seinem 50. Geburtstag mit inoperablem Lungenkrebs und einer Lebenserwartung von höchstens noch 2 Jahren diagnositiziert wird, beginnt er, sich Gedanken um die finanzielle Zukunft seiner Familie, seinen Sohn und seine schwangere Frau, zu machen.
Sein Schwager Hank, der bei der DEA (Drug Enforcement Administration; die Drogenbehörde) arbeitet, hat erst wieder eine Crystal Meth-Küche hochgenommen und pralt überall damit rum. Dadurch bekommt Walt mit, dass, selbst bei einem kleinen Labor, ein Umsatz von einigen hunderttausend Dollar keine Seltenheit sind. Mit Chemie kennt sich Walter aus, aber er braucht auch jemanden, der das Zeug für ihn auf der Straße unter die Leute bringt. Also schließt er sich mit einem ehemaligen Schüler, Jesse Pinkman, zusammen.
"You know the business, and I know the chemistry."


This kicks like a mule with his balls wrapped in duct tape!
Anfangs wusste ich selbst nicht so wirklich, was ich davon halten soll. Ich konnte mir absolut nichts drunter vorstellen, da ich nur wusste, dass "Hal, der Vater von 'Malcolm Mittedrin' die Hauptrolle spielt" und es irgendwie um Drogen geht. Dann hab' ich's ausprobiert und ...
Es kommt selten vor, dass ich bei einer Serie ab der ersten Folge sofort hooked bin, aber "Breaking Bad" war einer dieser Fälle. Sie verliert keine Zeit und geht schon in den ersten 2-3 Folgen ordentlich zur Sache - dabei ist das nur die Spitze des (H)Eis(en)bergs. Noch seltener ist es, dass ich wirklich durchgehend unterhalten werde und es praktisch keine Episode gibt, von der ich sagen könnte, dass sie mir nicht gefallen hat.
Das liegt nicht nur an der Aufmachung, sondern zu großen Teilen an der intelligenten Machart von "Breaking Bad". Es werden sehr viele kleine Details bedacht und, wenn schon nicht gezeigt, dann zumindest am Rande kurz erwähnt, mit denen sich andere Serien erst gar beschäftigen würden. Das fängt bei den Handlungen der Charaktere an, geht über die Planung und Durchführung diverser Vorkommnisse, bis hin zur Erläuterung der Physik/Chemie (wobei sie selbstverständlich keine allzu detailierten Tipps geben) und den Ermittlungsarbeiten.
Dem Zuseher wird alles zur rechten Zeit klargemacht, was er wissen muss, ohne dass einem der Dialog mit energischem "I'll keep pointing this thing out that's right here in front of you, over and over again, until everybody gets it!" nervt oder gar der Schnitt "Cpt. Obvious" spielt.
Jede Figur hat feste Charaktereigenschaften und macht eine ganz eigene, äußerst nachvollziehbare Entwicklung durch, die von den Schauspielern meisterhaft dargestellt und glaubhaft rübergebracht wird.


Bis auf einige "Kleinigkeiten" wurde praktisch die komplette Story und ihr Ablauf im Vorfeld zur Produktion durchdacht und über die Dauer verfeinert. Das merkt man ihr auch an. Gravierende Logiklöcher existieren nicht. Es tauchen auch nicht plötzlich irgendwelche Figuren auf, von denen man vorher nichts gehört hat, welche aber den Schlüssel zu den momentanen Ereignissen liefern. Eine Deus Ex Machina sucht man ebenfalls vergebens.
Ähnlich wie bei "The Walking Dead" oder "Game of Thrones" gibt es bei "Breaking Bad" keine Füllerepisoden. Jede Folge befasst sich mit der Haupthandlung und führt diese weiter. Durch das alles entsteht ein wunderbarer Fluss, der die Serie unglaublich authentisch wirken lässt. Sowas war mir bis dahin noch nicht untergekommen.
Die Detailfülle und die Intensität der Darstellung mancher Situtationen stören dabei keinerlei das Pacing, die Geschwindigkeit des Fortschreitens der Geschichte. Im Prinzip sind sie sogar notwendig, wenn man bedenkt, dass sich die ersten 3 1/2 Staffeln nur innerhalb eines einzigen Jahres abspielen.

I know a guy who knows a guy ...
Vorwiegend geht's um die Herrschaften hier:


[von links nach rechts]
"Hitman" Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) - "Mike threatened me, he threatened Jesse, he probably threatened someone before breakfast this morning - it's what he does."
Einer meiner persönlichen Lieblinge. Der pensionierte Polizist zeichnet sich vor allem durch seine Erfahrung aus. Nun verdient er sich neben dem Gesetz was zu seiner Rente dazu, wenn er gerade nicht auf seine Enkelin aufpasst. Hauptsächlich arbeitet Mike als "Security" für jemand anderen. Aushilfsweise fungiert er aber auch als Privatdetektiv und Problemlöser für ...
Saul Goodman (Bob Odenkirk) - "When push comes to shove you don't want a criminal lawyer, you want a criminal lawyer. Know what I'm sayin'?"
Ein zwielichtiger Anwalt, der sich als "Kämpfer für die Rechte des kleinen Mannes" versteht. Er nutzt sämtliche rechtlichen Schlupflöcher und Hintertürchen aus, damit jeder jeden wegen allem verklagen kann und so zu seinem "ihm zustehenden" Schadenersatz kommt. Heißt also, sobald einem irgendwas nicht passt oder man in Schwierigkeiten steckt, so rechtmäßig diese auch sein mögen: Better call Saul!
Jesse "Cpt. Cook" Pinkman (Aaron Paul) - "Stackin' tha Benjys 'til tha rubber band pops."
Seit er von zu Hause rausgeschmissen wurde, hat er sich im leerstehenden Haus seiner Tante eingenistet und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Verticken von Gras und als Methkoch. Als sein Markenzeichen mischt er Chilipulver drunter, und auch sonst hat er mit Chemie eigentlich nicht viel am Hut. Aber er hat gewisse Verbindungen auf der Straße, was in anfangs für Walt wertvoll macht.
Walter "Heisenberg" White (Bryan Cranston) - "You are a time bomb - tick, tick, ticking. And I have no intention of being around for the boom."
Der Weltklasse-Chemiker, der früher gute Chancen auf einen Nobelpreis hatte, führt jetzt ein mittelständiges Leben als High School-Lehrer. Nach der Diagnose Lungenkrebs tut er sich mit Jesse zusammen, um vor seinem Ableben noch schnellstmöglich finanziell für seine Familie vorsorgen zu können. Durch seine Ausbildung kocht er das reinste Crystal Meth, das der Markt je gesehen hat. Er erkennt sehr bald das Potential seines Produktes, wird vom Stolz gepackt und will expandieren. Dabei muss er seinen "Nebenberuf" jedoch vor Freunden und Familie verheimlichen. Allen voran ...
Marie & Hank Schrader (Betsy Brandt, Dean Norris) - "Come on, say it. Say 'I told you so,' get it outta your system before you need dialysis or something."
Marie ist die Schwester von Walts Frau Skyler. Sie und ihr Mann Hank stehen den Whites sehr nahe. Hank arbeitet bei der DEA. Dort ist er Leiter der örtlichen Ermittlungsgruppe. Gemeinsam mit seinem Team wird er auf glasklares Meth aufmerksam, das sie in letzter Zeit immer öfter beschlagnahmen. In Verbindung damit beginnt ein Name die Runde zu machen: Heisenberg.
Skyler White & Walter White Jr. (Anna Gunn, RJ Mitte) - "Skyler, you are the love of my life. I hope you know that. Walter Jr., you're my big man. I only had you in my heart."
Familie White, die sich mehr und mehr fragt, warum sich Walt plötzlich so ungewohnt benimmt, bis sie von der Krebsdiagnose erfahren. Damit ließe sich Walts Verhalten durchaus erklären, wenn es nicht immer seltsamer und seltsamer werden würde. Und was hat dieser Pinkman-Kerl damit zu tun?

... und noch jede Menge wichtige Nebencharaktere, für die ich aber zu sehr spoilern müsste, um sie vorzustellen. Geht ja jetzt teilweise schon zu weit. ^^


Whatever happens, no more bloodshed.
"Breaking Bad" ist seit Herbst 2013 nach 6 Staffeln (eigentlich nur 5, aber die 5. wurde um ein paar Episoden erweitert und danach in 2 Hälften aufgeteilt) abgeschlossen. Und was für ein Ende das war. Sogar der Abschluss hätte meiner Meinung nach besser nicht sein können, wobei "besser" absolut nicht als Happy End zu verstehen ist. Dass das Ende rückwirkend die ganze Serie schlechter dastehen lassen kann, hat zuletzt "Dexter" unter Beweis gestellt (dadurch habe ich beschlossen, dass die 8. Staffel für mich nicht existiert -_-). Doch "Breaking Bad" schafft sogar hier eine Punktlandung. Alleine dafür hätte sich die Serie einen Platz in sämtlichen Hall of Fames verdient.
Das Produktions-Team werkelt allerdings bereits fleißig am Spinoff "Better Call Saul", das im Februar 2015 starten soll und bereits für 2 Staffeln grünes Licht bekam. (AMC scheint ja einiges an Vertrauen in das Projekt zu haben. ^^) Sie setzt 6 Jahre vor den Ereignissen in "Breaking Bad" ein und befasst sich mit dem Werdegang von Jimmy McGill zu Saul Goodman. Da man immer wieder gerne mit Rückblenden und ähnlichen Zeitsprüngen arbeitet, lassen sich auch Gastauftritte von Heisenberg & Co. nicht ausschließen.
Kommentar von Vince Gilligan, Schöpfer und Autor beider Serien, zur grundlegenden Idee hinter "Better Call Saul": "How did Jimmy become Saul, and why? What kind of problem could somebody possibly have that becoming Saul Goodman would solve it?" Ich freu' mich schon riesig auf die Antwort. :3

PS:
Ich weiß, was der Ausdruck "to break bad" bedeutet und dass er nichts mit Kotze zu tun hat. Steckt euch euren erhobenen, pseudo-besserwisserischen Finger da hin, wo's Spaß macht.

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