S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): "Down - Down - Down - Up - Chu!"
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Donnerstag, 16. Oktober 2014

"Down - Down - Down - Up - Chu!"

Dienstag, 14. Oktober 2014, 18:11 Uhr
Sitze am Rand der Donauinsel, etwas abseits der Menschen, bei einem Big King XXL, Pommes und ein paar Dosen tschechischem Edelbräu. Die Wölfin war so lieb und hat mir 20€ mit auf den Weg gegeben. "Nach Hause" fahr' ich damit sicher nicht. Es war vorher schon unausstehlich dort, und wenn das mit dem Hund stimmt, dann spottet der Zustand dort sicher noch viel mehr Beschreibungen, als er ohnehin schon tat.
Habe mein Netbook und en ganzen Rest bei der Wölfin gelassen. Habe ja eigentlich keine Verwendung mehr dafür ... und bevor der Schrott in "falsche Hände" gerät ... . Hab' ihr auch die Zugangsdaten zu meinen Online-Accounts hinterlassen.
Weiß der Teufel, was ich damit anrichte, wenn sie das Zeug findet und ... versteht. Ist ja nicht so als hätte ihr eigenes Kreuz nicht schon genug Gewicht. Aber ich kann wohl nicht anders als Dinge, trotz guter Absichten, nur noch schlimmer zu machen.
Die Sonne ist weg, gerade gingen die Lichter an. Die Kirche am Ufer gegenüber wird nun schön beleuchtet. Im verwölkten Sonnenuntergang sah sie ja nicht sooo toll aus, aber jetzt ... Oder ist es ein Kloster? Protzig genug wär's jedenfalls.
Sitze hier neben einer großen 7 auf einem Stein. Meilensteine? Ankerplätze? Was auch immer. Meine Hämorrhoiden werden's mir danken ... nicht.
19:07 Uhr
Endlich ist es dunkel, angenehm.
Obwohl, langsam wird's auch kühl, besonders hier am Wasser ... das Wasser, das mir schon seit ein paar Tagen immer freundlicher erscheint. Ertrinken hat irgendwie seinen Schrecken verloren. Ein paar Minuten Todeskampf. So fuckin' what?
Und dann?
Endlich vorbei.
Bis auf das Plätschern der Wellen und das Quietschen eines rostigen Stegs/Kahns, der hier vor Anker liegt, ist es ruhig. Zwischen mir und dem Restlärm der Stadt liegt eine Donau und ein paar Enten.
Meine Leiche würde Stromabwärts getrieben, also weg von der U-Bahnstation, ans andere Ende der Insel. Weg von den Menschen und einer eventuellen "Rettung". Aber aus der dunklen kalten Donau lässt sich nach ein paar Minuten sowieso nichtmehr viel retten. Und den 5er-Konvoi Schwäne, der gerade vorbeitreibt, würde es bestimmt auch nicht stören. Just another day in Vienna.
Trotzdem, warum auch immer, hadere ich mit dem Gedanken. Aber warum? Alleine die Dunkelheit scheint mich seltsam zu motivieren. Doch zu was?
Keine Ahnung.
Sie beruhigt einfach.
Jedennfalls überlege ich, mich bloß irgendwo in die Büsche zu legen und auf morgen zu warten. Aber wozu? Morgen wird nicht anders. Von selbst ändert sich nichts, man muss schon etwas dafür tun. Und das muss man wiederum wollen. Aber ich will nichtmehr. Und doch sitze ich hier und schreibe, vergeude meine Zeit, lenke mich ab, als würde es irgendwas bringen, etwas verändern oder ... whatever. 20.000 Gedanken im Kopf, die meisten davon Erinnerungen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, weiß ich nicht, was ich von all dem halten soll.
Nur weisses Rauschen, Leere.
Alles scheint so unwirklich.
Die 1 1/2 Bier entspannen, beruhigen, haben ansonsten jedoch keinerlei berauschende Wirkung.
Fähren und schwimmende Restaurants/Hotels ziehen vorbei ... voller Menschen. Auf der Brücken fahren Autos hin und her, Fahrräder und Fußgänger queren. So viele Menschen, so viele Leben, so viele Erfahrungen, so viele Geschichten. Das Dunkel stimmt mich hoffnungsvoll, dass irgendwo zwischen ihnen vielleicht ein Platz für mich wäre. Vorbei, sobald ein neuer Tag anbricht. Dann will ich mich wieder nur verkriechen und meine Ruhe vor ihnen.
20:19 Uhr
Eine 4er-Gruppe Schwände kam soeben stromaufwärts an mir vorbei. Habe die restlichen Pommes an sie verfüttert. Sie machten im Wellenschatten des Stegs/Kahns eine kurze Gefiederpflegepause und lassen sich nun wieder stromabwärts treiben ... und irgendwo neben mir unkt eine Kröte ... oder krötet ein Unke vor sich hin.
Ein seltsames Gefühl von Freiheit und Entspannung.
Alkohlolinduzierte Melancholie.
Soll es das gewesen sein?
Waren meine "letzten Male" wirklich meine letzten Male?
War das höchste der Gefühle wirklich DAS höchste der Gefühle?
Ich bin 31, männlich, gutgläubiger, aber dennoch pessimistischer Misanthrop. Der Mensch könnte so viel mehr sein, wenn er nur mal seinen Trieben eine Pause gönnen und seinen Verstand benutzen würde. Allerdings, er sollte auch da wissen, wo seine Grenzen sind, und aufhören nach dem Warum zu fragen, wo es keinen Sinn mehr gibt und er beginnt, sich im Kreis zu drehen.
I am
a thousand lives not lived,
a thousand cries not heard,
a thousand moments wasted,
a thousands opportunities unused,
a thousand stories untold,
a thousand thoughts unspoken,
a thousand feelings supressed,
a thousand tasks unaccomplished,
a thousand truths,
a thousand lies,
relative - like everything else.
I am just a tiny unique snowflake in a blizzard. So what should make me think that I am the special one?
I am only one single point of view out of eight billion on this planet. So what should make me think that my opinion counts for anything?
I am not outstanding in any way.
I am no hero or something like that. Soon enough I'll be forgotten like so many others before me. And, hell, why the fuck not? You can't remember everyone and everything. And I can't think of anything that I have done that I should be remembered for, for I simply don't see what should be special about a non-racist guy who stands for gender-equality and against war and corruption. I don't see what should be special about a guy who'd like the world to have no boundries and the same opportunities and standards for everyone. We're all just people sharing the same planet. So why not spend our time making it the best we can without hurting each other.
I don't get it.
Will mankind ever be able to tolerate ITSELF?!
But what do I know? Who am I to talk?
I myself did wrong wherever I thought that I'd get away with it, and often enough unintentionally. I'm no saint myself. But at least I wish I'd done right by the people I love('d). Yet I ended up regretting pretty much everything I did ... or didn't.
In Momenten wie diesen denke ich mir oft, dass mein einziger Fehler darin bestand, damals Siggi zu verlassen. Aber wenn ich es nicht getan hätte, ... . Jedenfalls ging's danach nurnoch bergab, für mich zumindest. Dadurch trat ich in ein Leben ein, in dem es offensichtlich falsch ist, einen Vergewaltiger INBRÜNSTIGST zu hassen. Das war sicherlich nicht die Ursache, aber einer der denkbar heftigsten Auslöser für eine Kettenreaktion, an deren Ende ich hier nun sitze und (schon wieder) darüber nachdenke, mir das Leben zu nehmen ... so ernsthaft wie vielleicht noch nie zuvor.
"All these moments will be lost in time,
like tears in rain."
- Roy Batty, "Blade Runner" -
Ich frage mich, wie es wohl sein wird ... ins Wasser zu gehen.
Zum Entschluss alleine gehört ja immerhin schon einiges. Aber dann auch die nasse kälte spüren? Innen und außen? Und es selbst immernoch durchziehen wollen?
Es ist mir unverständlichm, wie jemand sowas als feige bezeichnen könnte.
Well, be that as it may,
time to die.
-CHRiS-
14.10.14, 22:03 Uhr

PS: Ich wollte mich schon die ganze Zeit über, und besonders die letzten Tage, einfach nur bei jemandem ausheulen - loslassen und weinen wie ein kleines Kind. Mich belügen lassen, dass alles wieder gut wird, und es glauben können.
Ansätze dieses Gefühls sind noch da, aber der Drang dazu ist weg. Nichts davon, was mich dazu bewogen hätte, zählt hier mehr. Hier und jetzt geht's nurnoch um mich und die einzige "freie" Entscheidung, die man für sich selbst im Leben treffen kann - die wichtigste von allen:
Leben? Y/N

Nass, kalt, Unterkühlung, Krämpfe, Wasser in der Lunge ... und was wohl danach kommt?
Ich find' s interessant. Es fasziniert mich und erschreckt mich nicht halb so sehr wie der Gedanke daran weiterzuleben. Ich würde nicht sagen, dass ich Angst vor'm Sterben habe, und doch zögere ich es hinaus.
Warum?
Ist es wirklich nur dieser "War's das?"-Gedanke?
Habe auch eben erst gemerkt, dass heute Nacht kein Mond am Himmel scheint. Schade. Ich mochte den Anblick immer sehr, aber weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal bewusst den Mond angestarrt habe.
Ich weiß so vieles nichtmehr.
Ich kann mich schon einige Zeit nicht mehr an die Zeit davor erinnern und wie es war, ohne Tränen in den Augen einschlafen zu können. Dafür habe ich andere, viel unangenehmere Dinge sehr viel deutlicher vor Augen und ... manchmal sogar noch in der Hand oder im Arm ... so wie eine Art Phantomschmerz.
Fuck, langsam wird's wirklich verdammt kühl hier draußen.
Also, was mach ich jetzt?
23:05 Uhr

23:43 Uhr
Na toll, jetzt bin ich mir wieder gar nicht so sicher. Ok, es ist kalt und der Alkohol lässt nach (das letzte Bier ist ca. 1 Std. her), er es ist dunkel und ich hab' meine Ruhe.
Sollte ich wirklich jetzt schon "abbrechen", wo's doch gerade so verhältnismäßig angenehm ist?
Sollte ich's nicht doch noch etwas länger auskosten?
Ich hätte noch genug Geld in der Tasche für noch eine Packung Zigaretten ... oder 1-2 Bier, je nach dem.

Mittwoch, 15. Oktober 2014, 7:29 Uhr
Remember the time when I was out there to kill myself?
Well, about that ...
Scheiß kalte, scheiß unbequeme Nacht gehabt, aber bei weitem nicht die schlimmste. Obwohl ich insgesamt vielleicht nur eine Sekunde oder so schlafen konnte, fühle ich mich eigentlich ganz munter.
Hatte gestern dann doch noch etwas Schiss vor'm Absaufen. Die Müdigkeit hat im Endeffekt gesiegt und mir war auch so schon kalt genug, also habe ich mich hingelegt ... oder es zumindes versucht. Mit etwas Glück habe ich meine Hämorrhoiden schockgefrostet und mir wächst nun kein blutender Golfball am Arsch. Sitzen kann ich trotzdem nicht wirklich, schließlich habe ich die halbe Nacht im Sitzen verbracht, auf dem zarten Betonkissen eines Anlegepfeilers, das sich so richtig schön fest doll hart liebevoll bis zu meinen Arschknochen durchschmiegte.
Jetzt ist es wieder hell. War gerade Zigaretten kaufen. Ein paar Cent hab' ich noch einstecken.
Für heute existiert absolut kein Plan, außer durch die Stadt streunen, sitzen, rauchen, schreiben und darauf warten, dass es wieder dunkel wird.
12:01 Uhr
Bis jetzt zu Fuß ziellos durch die Stadt geirrt. Von der Insel weg Richtung Praterstern, weiter in die Innenstadt und über den Schwedenplatz rauf zum Stephansdom, dann im Stadtpark gesessen. Hab' sicher eine Stunde dort verbracht und an den Enten, Tauben und Krähen vorbei ins Nichts gestarrt. Danach hab' ich irgendwie über Wien-Mitte wieder zurückgefunden. Meine Beine sind jedenfalls für heute erledigt.
Und jetzt?
Ich hab' keine Ahnung, was ich tun soll.
Überlegte auch schon, die Wölfin zu fragen, ob sie mich zum AMS begleitet. Dann wäre ich versichert und könnte mich stationär aufnehmen lassen. Alleine schaffe ich das nicht. Ich brauche jemanden um mich. Außerdem gibt es sonst keinen Ort, an den ich hingehen könnte.
Doch stationär geht auch "nur" max. 10 Wochen oder so. Und dann?
Anscheinend sind die Baukräne hier in der Gegend teilweise schlecht abgesichert. Was so ein Sturz aus 30-40m wohl anrichtet?
Das Wetter ist schon den ganzen Tag trübe und wird wohl nicht besser. Wenigstens konnte ich mich durch den Fußmarsch temperaturtechnisch wieder etwas von der vergangenen Nacht erholen. Anders wird einem heute sonst nicht warm.
20:47 Uhr
Holy crap.
Hab' mich bei der Wölfin gemeldet, und ein paar Anrufe und eine "halbe Weltreise" später lieg' ich nun auf einer psychiatrischen Station - freiwillig natürlich. Mal sehen was das wird. Von hier an blind.
Wird ein neuer Tiefststand mit anschließendem Neuanfang nun zur Geburtstagstradition?

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