S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Penny Dreadful
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Donnerstag, 20. November 2014

Penny Dreadful

Ich war skeptisch, als ich die Serie vor ein paar Tagen empfohlen bekam. Schließlich konnte ich schon mit "Sherlock" und "Once Upon A Time" rein gar nichts anfangen. "Penny Dreadful" wirkte nach einer kurzen Vorab-Info auf mich wie ein weiterer moderner TV-Aufguss 100+ Jahre alter Literatur, wie solche, die es schon oft zuvor gab, und denen gerade in der letzten Zeit wieder gewaltige Beliebtheit entgegengebracht wird. Ich dachte, dass Showtime bloß mit auf den Märchen- und Geschichtenzug aufspringt, um nach dem "Dexter"-Debakel wieder sowas wie ein vermeintliches Highlight zu haben, das alleine durch die Thematik schon gute Quoten verspricht.
Neh, nicht ganz. Da steckt doch etwas mehr dahinter. ^^

Als "Penny Dreadful" wird in England eigentlich eine Art von Groschenromanen aus dem 19. Jahrhundert bezeichnet. Es sind auf billigem Papier gedruckte, fiktive Horrorkurzgeschichten, die für einen Penny unter die Leute gebracht wurden. Die Serie besitzt zwar eine durchgehende, eigene Handlung, doch leiht sie sich einige Figuren und Handlungsstränge aus klassischen Gruselgeschichten, wie z.B. Frankenstein, Dracula und Dorian Gray, welche kurzerhand zur selben Zeit in die selbe Stadt verlagert wurden. Es wird sich somit nur relativ grob an den Rahmenhandlungen der Originale orientiert, welche entweder bereits abgeschlossen sind oder zwischenzeitlich an einem anderen Ort off-screen fortgeführt werden. So fühlen sich Teile der Serie wie eine Fortsetzung, bzw. Ergänzung zu den Ausgangsmaterialien an, die sich in die Geschichten der neuen Charaktere einfügen.


Die Liga der außergewöhnlichen ... dafuq? ó.O
London, 1891.
Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton) ist auf der Suche nach seiner Tochter Mina und bekommt es dabei mit unnatürlich scheinenden Geschöpfen zu tun. Sie hinterlassen zerstückelte Leichen, wodurch in der Stadt bereits das Gerücht herumgeht, dass der "Ripper" wieder da ist. Sir Murray weiß es besser, und um seine Chancen zu steigern, schart er eine Hand voll "Fachleute" verschiedenster Bereiche um sich, von denen jeder sein eigenes dunkles Geheimnis mit sich herumträgt.
Vanessa Ives (Eva Green) ist zusammen mit Mina aufgewachsen, dementsprechend lange geht auch ihre Bekanntschaft mit Malcolm zurück. Durch ihre Fähigkeit, als Medium zu wirken, ist sie für ihn bei der Aufspürung der Kreaturen unersetzlich geworden.
Der amerikanische Revolvermann Ethan Chandler (Josh Hartnett) wird für's Grobe engagiert und behält seine Vergangenheit lieber für sich.
Natürlich will Mr. Murray die sonderbaren Unwesen nicht bloß bekämpfen, sondern auch untersuchen und mehr über sie herausfinden. Hierfür wendet er sich an den besten sonderbaren Mediziner, den er in London auftreiben kann: den durch seine Interessen wohl mehr berüchtigten als berühmten Victor Frankenstein (Harry Treadaway).
Die Darstellung der Charaktere und die Atmosphäre der Serie gefielen mir schon ab der 1. Folge, und nach der 2. war ich definitiv hooked (Stichwort: Séance-Szene ;)). Der orchestrale Soundtrack untermalt viele Szenen wundervoll passend und fällt einem daher öfters positiv auf, was nicht unbedingt ein Standard für TV-Produktionen ist.
Aber auch die allgemeine Machart von "Penny Dreadful" spricht mich sehr an. Es wird viel handwerklich, mit echten Sets, Kamerafiltern, Masken und Makeup gearbeitet, da darauf geachtet wird, möglichst auf computergenerierte Effekte zu verzichten. Alleine das ist für mich schon ein fetter Pluspunkt für die Serie. Manche Schaupspieler verbrachten pro Drehtag bis zu 9 Std. im Stuhl der Maskenbildner. Es gibt leider immer weniger Produktionsteams, die sich einen derartigen Aufwand antun wollen. Dabei sorgt die viele Arbeit hinter den Kulissen immer auch vor der Kamera für zusätzliches Flair, das es sogar schafft, sich durch die Bildschirme beim Zuschauer bemerkbar zu machen. Es wirkt alles sofort irgendwie stimmiger, lebendiger und, besonders in diesem Fall, dichter und düsterer.
Generell kann man sicher sagen, dass "Penny Dreadful" nicht für jedes Publikum geeignet ist, sei es nun aufgrund der Thematik oder der Umsetzung. In einer Horrorserie ist nunmal die teilweise explizite Gewaltdarstellung ein Punkt, der einigen Zusehern nicht bekommt. Beinahe selbstverständlich spielt Sex ebenfalls eine Rolle. Hierbei ist man in etwa auf einem Level mit "Game of Thrones". Wer jedoch mit all dem kein Problem hat und sich vom Setting angesprochen fühlt, dem kann ich die Serie eigentlich ohne Einschränkung empfehlen. Die erste Staffel hat mich mit ihren 8 Folgen richtig gut unterhalten und ich freue mich schon auf 10 neue Episoden in Staffel 2.


Abschließend möchte ich hier noch auf zwei Figuren kurz etwas näher eingehen, die für mich besonders hervorgestochen haben: Vanessa Ives und Caliban.
"You think you've suffered. You think you know blood. You think you've walked on corpses. Spread them from here to the horizon and I have walked further! [...] How dare you presume to speak to me of death?"
Ein Ereignis in ihrer Jugend hat sie schwerstens traumatisiert und ... verdorben. Seither besitzt sie gewisse Fähigkeiten. Vorwiegend ist Vanessa als geistige Verbindung zur Zwischenwelt tätig, doch es wird schnell klar, dass in ihr eine viel größere und mächtigere Dunkelheit lauert.
Miss Ives kann man wohl ohne Weiteres als den Mittelpunkt der Serie bezeichnen. Wegen ihrer engen Verbindung zu Malcolm, ist ihre Vergangenheitsgeschichte um die Herkunft ihrer Kräfte und die ... naja, "Probleme", die sie mit sich bringen, praktisch sowas wie die zweite Haupthandlung. Eva Greens schauspielerische Performance stellt dabei alles in den Schatten, was ich seit dem Ende der 4. Staffel "Game of Thrones" gesehen habe. Man möchte fast schon sagen, dass sie Grund genug ist, sich "Penny Dreadful" anzusehen.

"The first human action that I experienced was rejection, so do not wonder at my loathing of your species."
Frankensteins Monster, der "Erstgeborene". Von seinem Schöpfer verstoßen macht er sich einsam und verletzt auf, um zu lernen und herauszufinden, was Leben ist. Schon bald muss er aber feststellen, dass Oberflächlichkeiten größtenteils mehr zu zählen scheinen, als der Geist, der sich dahinter verbirgt. Er erfährt Ungerechtigkeit, wird verachtet und lernt so vorerst nur die Facetten des Hasses kennen, bis ...
Calibans (Rory Kinnear) Geschichte läuft eigentlich nur so nebenbei mit, aber er ist so gut gespielt, und die Szenen mit ihm so einprägsam, dass er sich eine eigene Erwähnung verdient hat. "Breaking Bad" mag vorbei sein, doch ich traue mich fast wetten, dass Peter Dinklage (Tyrion Lannister; "Game of Thrones") mit Rory Kinnear wieder neue Konkurenz bei den nächsten Emmy-Nominierungen bekommt. ^^

PS:
Ja, Chandler ist auch verdammt cool. :)

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