S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Journeyal #6
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Dienstag, 23. Dezember 2014

Journeyal #6

Weihnachtsstress bei 15°C

Bäh, mich beißt's grade so gar nicht, irgendwas zu schreiben. Montag und Dienstag waren so vollgestopft mit diversem Zeug, dass ich jetzt einfach nur froh bin, nun 4-5 Tage Ruhe zu haben.

Montag vormittags hatte ich die erste Gruppentherapiesitzung. Das war ... sehr ruhig. Offensichtlich müssen die Therapeuten der Gruppe etwas mehr Starthilfe geben, da sonst das große Schweigen vorherrscht. Viele hätten was zu erzählen, besprechen das aber lieber 1:1 mit den Psychologen, andere trauen sich nicht, und wieder andere, wie ich, haben ohne eine gewisse Themenvorgabe nicht wirklich was zu reden, bzw. tun sich schwer damit, von sich aus mit irgendwas anzufangen.

Am Nachmittag ging's zu Mag. Mask zu einer Ersterhebung, sprich: 3 Fragebögen ausfüllen, deren Antworten einen ungefähren Grundriss meines psychischen Allgemeinzustands zeichnen sollen, damit sie noch etwas genauer erfahren, womit sie's zu tun haben und auf welchem geistigen Fundament das alles steht.
Seltsamer Kerl. "The Mask" deshalb, weil seine Mimik zu 99% immer die selbe ist. Ehrlich, er verändert sie praktisch nie; ein Gesicht wie eine leere Leinwand, vollkommen neutral, mit leicht nach oben gezogenen Mundwinkeln, so als würde er ein Lächeln andeuten. Das Lächeln vermittelt allerdings keine Wärme, da seine Augen nicht "mitlächeln" - die bleiben ausdruckslos. Es wirkt so aufgesetzt und der Rest eben so nichtssagend starr, dass ich der Mimik absolut nicht entnehmen kann, welche Art von Emotion mir gerade entgegengebracht wird. Auch seine Stimme, wenn er eine Frage stellt, gibt mir keine verwertbaren Hinweise. Ich hab' manchmal keine Ahnung, warum er etwas fragt. Es lässt sich nicht herauslesen, ob es jetzt bloße Neugier oder doch Skepsis ist, ob etwas nicht gepasst hat oder ob seine Stimmung nun ein wenig gehoben ist. Seltsamerweise trifft einiges davon nicht zu, wenn er beispielsweise etwas erläutert. Dann wissen seine Worte, die Stimmlage und zumindest die begleitende Gestik durchaus auszudrücken, was er meint und wie er es meint. Aber sonst ... .
Und immer diese relativ langen Pausen, nachdem man etwas gesagt hat. Ok, schön, dass er sich Mühe gibt, einen ausreden zu lassen und einem nicht ins Wort zu fallen, falls man doch noch etwas nachschieben möchte, das einem gerade noch eingefallen ist oder das man noch ergänzen möchte. Doch 2-3 Sekunden Stille im Anschluss an ALLES, was man sagt, finde ich etwas übertrieben. Denn in Verbindung mit dem leeren Gesicht verunsichert das anfangs ziemlich. Man weiß nicht, woran man ist, und bekommt optisch keinerlei Feedback, keine Reaktion whatsoever. Ich glaube aber, dass man sich daran ziemlich schnell gewöhnt, sobald man etwas mit ihm geredet und gelernt hat, mit seiner sehr ruhigen, fast noch etwas unsicher wirkenden Art (immerhin schätze ich ihn ca. 2-3 Jahre jünger ein als ich) umzugehen. Denn am Ende des ca. einstündigen Termins fiel's anscheinend uns beiden schon leichter, das Gegenüber zu deuten und mit ihm zu kommunizieren.

Später fiel "unvermittelt" der Sport aus, weil sämtliche Betreuer, Ärzte, Psychologen, Therapeuten, Pfleger, Schwestern, Primare etc. sich nach der Weihnachtsmesse (die ich glücklicherweise mit dem Termin bei Mag. Mask überbrücken konnte) zum "gemütlich Besammensein" einfanden. (Das war dann die offizielle, allgemeine Weihnachtsfeier. Inoffiziell war's, wie gesagt, wahrscheinlich Nr. 137.) Am Plan stand davon nichts. Ich hab's erst von Schwester Sunny (die is' meistens gut drauf und freundlich; ihr nimmt man's auch ab, dass sie wirklich so ist) erfahren, als ich schon umgezogen war. Naja, immerhin einmal Sport erspart. Hätte ich mir aber auch denken können. Denn schließlich sind wir davon ausgangen, dass dieses "gemütliche Beisammensein" für alle gedacht war, und nicht nur für die Capos und Dons. Damien und Goalem dachten das auch und sind reingegangen, woraufhin von einer Schwester prompt wieder hinausbegleitet wurden, nachdem sie sich ein paar verwirrte Blicke eingefanden hatten. XD
Seltsamerweise scheint Kommunikation hier manchmal keine besondere Stärke des Personals zu sein.

Am Montag drückte man mir außerdem noch einen Zettel in die Hand, auf dem ich stündlich mein emotionales Befinden, meine Stimmungskurve eintragen sollte. Bis auf meine allmorgentlich "WAGT ES NICHT, mir Fragen zu stellen"-Bootsequenz und Kalibrierungsphase, und das beinahe allabendliche Einsamkeits-Tief vor'm Einschlafen, ist die "Kurve" praktisch eine Flatline. Mir würde ehrlich den ganzen Tag lang nichts ein- oder auffallen, das mich entweder besonders freut, bzw. sonderlich runterreißt. Da man hier eigentlich nie allein ist, hat man unter den Leuten meistens auch gar nicht die Möglichkeit dazu, in ein erwähnenswertes Loch zu kippen. Zusätzlich macht es mir wohl die erhöhte Antidepressiva-Dosis ebenfalls einfacher, ein gewisses Level zu halten.

Heute, Dienstag, hatten alle Visite bei Dr. Buscemi (Is' nicht böse gemeint, doch die Frau sieht ihm nunmal sehr ähnlich ... außerdem mag ich Steve Buscemi und würde seinen Namen alleine deswegen schon nicht abwertend benutzen. :) ), was normalerweise auf zwei Tage aufgeteilt wird. Dementsprechend schnell ging es auch. Es wurde nicht wirklich ins Detail gegangen, sondern bloß die wichtigsten Eckdaten besprochen: wie's Befinden is', wie's mit den Ausgangszeiten usw. aussieht, und ob's irgendwelche Beschwerden/Wünsche/Bla gibt. Ein Punkt, auf den jedoch etwas deutlicher eigegangen wurde, waren "schädliche Gesprächsthemen", welche den Schwestern, Pflegern und Psychologen zugetragen wurden, dass sie in den letzten Tagen vermehrt unter den Patienten zur Sprache kommen (kurz: wir haben eine Ratte unter uns -.-).
Grund: ein paar Leute kommen ins Quatschen, einige davon haben erfahrung mit (leichten) Drogen (Gras), und natürlich wird ab und zu die eine oder andere kleine Geschichte aus der Vergangenheit ausgegraben, die man in der Runde wiedergibt, und manche davon haben nunmal mit Alkohol und/oder genannten Drogen zu tun. Da sowas offenbar nicht unter die Kategorie "soziale Annäherung durch offenen Erfahrungsaustausch" fällt, somit nicht im Sinne der Therapie ist und erhöhtes Risiko birgt, jemanden dadurch zu triggern (unangenehme Gedanken/Gefühle aulösen, die ihm direkten Zusammenhang mit einem traumtischen Lebensereignis stehen, an das man dadurch unfreiwillig erinnert wird), hätten wir solche Themen in Zukunft doch bitte zu unterlassen.
Damien bekam's besonders schwer ab. Er kam mit erhöhten THC-Werten ein paar Tage vor mir hier an und wird seitdem seitens des medizinischen Personals nun beäugt wie ein Junkie. Da sie bei ihm nunmal Schwarz auf Weiss nachweisen können, dass er mit dem Zeug zu tun hatte, wurde er dementsprechend schärfer auf das Thema angesprochen, weil sie bei ihm logischerweise den Ursprung der "Unruhen" vermuten. Im Nachhinein erfuhr ich von ihm, dass er richtiggehend angefuckt wurde, weil wir uns eben gewisse Anekdoten erzählen und gemeinsam mit Goalem letztens "Drogenfilme" angesehen haben. (Wir haben uns "Fear & Loathing in Las Vegas" angesehen; Damien kannte ihn noch nicht ... sorry, das ist ein KULTFILM, den MUSS man kennen - PUNKT! - egal, ob man nun mit Drogen was am Hut hat oder nicht. Aber medizinisches Personal in einer Nervenklinik versteht sowas natürlich anders. Dagegen kommt man mit harmlosen Filmliebhabergequatsche nicht an, auch wenn es noch so ernstgemeint ist. m()
Wobei ich mir denke: "What the hell? óO"
Man könnte immer jemanden mit any-fucking-thing triggern - ganz egal, über was man nun spricht. Wenn man da anfängt, sicherheitshalber auf alles und jeden Rücksicht zu nehmen, wird man nie fertig. Und natürlich wird einem nicht gesagt, wer denn nun ein Problem mit welchen Themen hat, damit man eventuell besser achtgeben könnte, sobald die betreffende Person in der Nähe ist. Nein, es wird alles gleich von Grund auf tabuisiert und damit eine wunderbare Doppelmoral geschaffen, in der man offen und ehrlich über alles reden soll, aber bitte nicht untereinander, obwohl man eine Gemeinschaft bilden und Vertrauen fassen soll, in der man keine Themen behandeln darf, für die es Vertrauen erfordert. So ein Schwachsinn. Absoluter Bullshit.
Sorry, aber man kann von den Leuten nicht erwarten, dass sie sich den ganzen Tag nur über das Wetter unterhalten.

... dann war da noch die Geschichte mit dem Adventkranz. m)
Damien und ich bekamen nach dem Mittagessen von der Mutter Oberin (die Chef-Schwester) den Auftrag, den mittelgroßen Adventkranz des Speiseraums ... nicht zu entsorgen, aber zu recyclen, um Platz für den Christbaum zu schaffen. Wir verstanden darunter: ab mit allem, was noch brauchbar ist, und weg mit dem bereits vertrockneten, nadelig-bröseligen Rest. Das wurde auch so erledigt.
2 Stunden später klingelt das Telefon des "Arbeitsaufsehers" der Außengruppe, mit der wir gerade auf dem Gelände unterwegs waren. Der gab das Handy an Damien weiter, der daraufhin mit der Mutter Oberin über den Verbleib des Adventkranzes diskutierte. Und frei nach dem Motto "Wie du's auch machst, es ist falsch." kam dabei heraus, dass wir den Kranz hätten ganz lassen sollen, weil sie ihn, warum auch immer, wieder genau so zurückgeben müssen/sollten/wollten, wie er war. Warum dann 2 Männer zum "Recyclen" gebraucht wurden, erschließt sich uns selbst in 100 Jahren noch nicht. Wetten?
Aber was soll's? Ist eben wieder ein ausgefülltes Karteikärtchen mehr in der  #CommunicationFAIL-Sammelbox.

In der Nacht auf heute hatte ich einen seltsamen Traum, an den ich mich größtenteils leider nichtmehr erinnern kann. Ich weiß nurnoch, dass ich mit Bobby Singer aus "Supernatural" unterwegs war. Wir jagten was, vor dem er mindestens genauso viel Schiss hatte,wie ich. Was mein Gehirn mit solch einem Traum verarbeitet und/oder mir sagen will, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. ^^

Einen Arbeitsauftrag für die Feiertage bekam ich auch gleich: Katzen füttern. Am 25. und 27. ist wohl niemand da, der das erledigen könnte, also helf' ich eben ein bisschen aus ... obwohl's verdammt nach Alibi-Beschäftigung stinkt, damit ich wenigstens irgendeine feststehende Aufgabe und damit über die Feiertage was zu tun habe, während ich hier festsitze.
Joke's on you, bitches, weil ich mach's gern! :p ... und außerdem hätte ich ohnehin keinen Platz, an den ich hinwollen würde, selbst wenn ich Ausgang bekäme.

...
"Drogenfilme", pff.
SO FUCKING WHAT!? >.<*
Zu Weihnachten spielt's "Die Hard 2" im Fernsehen. Da werden Reihenweise Leute getötet, aber dagegen sagt niemand was. Tausendmal am Tag hört man in den Radio-Nachrichten wie Talibankämpfer 130 Erwachsene und Kinder abschlachten, einfach weil sie's können, aber dagegen sagt niemand was. Nur wegen einem einzigen Johnny Depp-Film wird ein Aufstand gemacht, bloß weil's darin um Drogen geht.
Es gibt keinen Gott.
Makind is doomed.
An solchen Leuten könnte ich echt verzweifeln. -.-

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