S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Journeyal #7
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Journeyal #7

CHiS, diesmal ohne nennenswerte Mess, aber ...

Von früher hat Weihnachten für mich praktisch nichtsmehr. Es hat jegliche Festlichkeit oder sonstige besondere Stimmung verloren. Vielleicht ein paar winzige, kaum wahrnehmbare Ansätze sind noch da, wenn ich einen beleuchteten Weihnachtsbaum mit kleinen Päckchen drunter sehe. Doch sobald mir klar wird, dass dieser kleine Funken, den ich fühle, nur ein Nachglimmen bitter gewordener Erinnerung aus unbeschwerteren Kindheitstagen ist, bin ich damit beschäftigt, die Vergangenheit aus meinen Gedanken und Gefühlen zu verdrängen, um nicht der Trauer zu verfallen.

Gestern haben Goalem und ich praktisch den ganzen Tag im Raucherraum unten verbracht und uns durch YouTube geklickt. Ab und zu kamen naturgemäß auch Damien, Oma Stricknadel, Opa Zwirbelbart (beides ebenfalls Patienten hier, gehören aber nicht zusammen) oder Rockabilly (auch Patient; Tattoos und die Welle in den Haaren) dazu. Ansonsten waren alle über Weihnachten nach Hause gefahren.
Am Vormittag half ich Opa Zwirbli kurz die Tiere im Streichelzoo der Klinik zu versorgen, weil ja sonst keiner da war. 2 Esel, 2 Alpacas, 2 Schafe, 3 Ziegen (naja, 2 Ziegen und ein Hannibal ... fieses Aas), eine Hand voll Meerschweinchen und Kaninchen, ein paar Hasen und 3 Katzen.
Am Abend sahen sich Goalem und ich "God Bless America" an (er kannte ihn noch nicht und war in den Trailer sofort verliebt XD), bevor uns der Pfleger in den Aufenthaltsraum auf Kinderpunsch und Kekse einlud, damit wir uns im Sinne der Festtage kurz zusammensetzen. Oma Stricker verlas das Weihnachtsevangelium und eine kurze Geschichte; Damien (Buddhist) und ich (Agnostiker) hielten uns im Hintergrund, und Goalem (Soziophobiker) wartete nur auf die nächstgelegene, "gesellschaftlich akzeptable" Möglichkeit, seine Medis zu nehmen und zu verschwinden.
Wir quatschten noch ein wenig mit den Pfleger, der an dem Abend seine Frau dabei hatte, die ebenfalls in der Klinik, jedoch in einer anderen Abteilung arbeitet. Er erzählte uns, dass er den Job seit etwa 25 Jahren macht und heute seinen letzten Nachtdienst hat, bevor er im neuen Jahr seinen neuen Posten als Ausbilder in der Pflegeschule am anderen Ende des Anstaltsgeländes antritt. Da lebt wohl jemand seine Berufung aus - die Art der Hingabe traf mich etwas. Man glaubt es ihm, dass er das wirklich gerne macht. Was mir allerdings die metaphorische Klinge noch ein wenig heftiger in die Herzgegend stieß und den Knoten im Hals etwas fester zuzog, war der Eindruck von ihm und seiner Frau zusammen, die gemeinsam so im Einklang zu sein schienen, als wären sie ebenfalls schon gute 25 Jahre zusammen (mit Betonung auf "gut"). Ja gut, man kann von 30 Min. nicht auf eine ganze Beziehung rückschließen, aber trotzdem. es reichte aus, um mich an meine eigenen Sehnsüchte und die Einsamkeit zu erinnern. Dementsprechend gedämpft war meine Stimmung.
Aber sonst ging das kurze Event relativ spurlos an mir vorbei. Zwar war es insgesamt wirklich ein leichter zu ertragender, nicht ganz so niederschmetternder, eben angenehmerer Weihnachtsabend als die letzten 3 zusammen, aber wirklich bewegt hat er, wie gesagt, auch nichts. Ich saß da und fühlte nichts - kein zu Hause, keine Zugehörigkeit, keine Freundschaft, kein irgendwas. Mit den Worten Patrick Batemans: "I was simply just there." 
Es ist nicht so, als wäre ich nicht dankbar dafür, dass mich das Fest dieses Jahr nicht sooo runtergezogen hat wie sonst, aber dennoch schaffe ich es nicht, dem Geschehen irgendeneinen Wert beizumessen. Ich kann mich nicht daran erfreuen. Fast so, als hätte es sich mein Geist bereits abgewöhnt, weil's ja sowieso nichts bringt. Außerdem: Nichts hält ewig. Was man nicht an sich ranlässt, kann einem nicht wehtun; was man nicht besitzt, kann man nicht verlieren.
Doch es wäre falsch, es als Gleichgültigkeit zu beschreiben - zumindest hätte ich gerne, dass es nicht so ist. Ich mag diese bloße Leere nicht. Ein "Is mir egal." bringe ich deshalb nicht bewusst über die Lippen, weil's nunmal nicht so ist, bzw. ich mir wünschen würde, etwas zu fühlen. Doch da ist nichts. Und mein Verstand ist derjenige, der dann automatisch das große "Ist doch sowieso scheiß egal." in die Leere einfügt. Ich hätte gerne ein positives Gefühl im Bezug auf so viele Dinge, aber die ganzen negativen Erfahrungen lassen das nichtmehr zu. Stattdessen überwiegt das Negativ oder eben die sich aufdrängende Gleichgültigkeit. Das einzig angenehme an beiden ist jedoch nur die Tatsache, dass man von ihnen nicht enttäuscht oder sonst in irgendeiner Weise verletzt werden kann. Sie schmerzen dauerhaft, aber in einer halbwegs gleichbleibenden Intensität. Sobald man sich über etwas freut und danach, aus welchem Grund auch immer, wieder auf die Beiden zurückfällt/zurückfallen muss, tut's doppelt weh. So erscheinen sie als die kleineren, leichter erträglicheren Übel, wodurch man sich einigermaßen einfacher mit ihnen "anfreunden" kann. Andererseits bleibt einem über die Dauer auch nicht wirklich was anderes übrig.
Also bin ich einfach nur da und ... tja, da bin ich eben, weil ich nunmal da bin und nicht wo anders - einen anderen Grund gibt es dafür nicht. Wäre ich nicht hier, dann wäre ich eben nicht hier. Somit hat sich sogar Weihnachten gefühlstechnisch eigentlich nicht vom Rest der letzten Monate unterschieden, es war lediglich hübscher beleuchtet.
Ob sich das jemals wieder ändern wird?
Nichts hält ewig.

Heute habe ich mir weitestgehend wieder sehr viel Ich-Zeit genommen. Noch ist es ruhig im Haus, weil viele Leute noch zu Hause bei ihren Verwandten sind, und das sollte ausgenutzt werden. Außerdem plagen mich leichte Kopfschmerzen. Hab' heute Nacht auch nicht allzu gut geschlafen. Dass einem sogar an einem Feiertag um 9:00 die Putzfrau aufweckt, ist ebenfalls nicht sehr aufbauend.
Aber naja, im Hintergrund lädt gerade die erste Staffel von "Game of Thrones" auf deutsch. Goalem und ich haben Damien darauf angespitzt und er will der Serie jetzt mal'ne Chance geben. Leider ist ihr Englisch nicht so gut. Aber ich wollte mir ohnehin mal ein intensiveres Bild von der deutschen Synchro machen, die ich bisher nur aus Trailern kenne. Ich erwarte nichts anderes, als dass meine niederschmetternde Meinung dazu 10 Std. Bekräftigung findet. Muss nur kucken, dass ich so gut's geht meine Fresse halten kann und nicht nur andauernd daran rummaule, was den anderen den Spaß verderben würde. ^^

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