S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Journeyal #16
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Freitag, 16. Januar 2015

Journeyal #16

Die Basics

Ich wurde nach dem "genauen" Tagesablauf in der Therapie gefragt, weil man sich anscheinend nicht oder nur schwer vorstellen kann, wie das hier so läuft. Is' natürlich verständlich, aber man braucht sich eigentlich nichts wirklich Besonderes dabei vorstellen. ^^
Der Blick aus meinem Zimmerfenster im 2. Stock.
Ab der Bildmitte links, irgendwo hinter den Bäumen verstecken sich die restlichen 90% der Anlage.
 "The Wall" ist eine Nervenklinik, bestehend aus ca. 30 Gebäuden, auf einem großen Gelände etwas außerhalb der Stadt. Je nach Art und Schwere der psychischen Erkrankung, wird man einem bestimmten Haus = einer bestimmten Station zugeordnet. Über die Dauer einer stationären Therapie, die normalerweise 12 Wochen (im Eventualfall + 4 Wochen) beträgt, wohnt man dort, gemeinsam mit Leuten, die eben ein weitestgehend ähnliches psychisches Problem haben. Hier auf 17, "meiner" Station, haben wir unter anderem minderschwere Fälle von Schizophrenie und Suchterkrankungen (z.B. Spielsucht, Alkohol usw.) und Depressionen. Der Großteil der Leute ist freiwillig hier und versucht bloß, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Somit werden wir hier auch nicht festgehalten/eingesperrt. Nach Absprache mit dem Personal, und solange es den Therapieplan nicht stört, dürfen wir selbstständig raus und Besuche empfangen. Manche betreiben die Therapie sogar Ambulant - soll heißen: sie wohnen zu Hause und kommen nur zu ihren bestimmten Zeiten für die Therapiestunden in die Klinik.
Es gibt Zwei- und Vierbettzimmer.
Männer und Frauen sind zwar unter dem selben Dach, aber selbstverständlich in verschiedenen Räumen untergebracht.

"This is your life, and it's ending one minute at a time."
Grundlegend hat der Zeitplan ein wenig was von einer Ausflugwoche in der Schule.
6:45 Uhr - Tagwache!
Sofern man nicht ohnehin schon wach ist, wird man vom Pfleger/der Schwester geweckt. Bis 7:30 kann man frühstücken; ab 7:15 gibt's die Morgenration Medikamente. Seltsamerweise funktioniert der stationseigene Kaffeeautomat im Tagraum/Speiseraum nur von 7 - 9, obwohl man rundherum in der Klinik überall kommerzielle Automaten 24/7 benutzen kann. Es hat auch niemand was dagegegen, wenn man sich Kaffee kauft und ihn sich unten in der Küche selbst zubereitet. Den Versuch einer Einschränkung des Koffeinkonsums kann die Zeitsperre also schonmal nicht unterstützen. Warum sie trotzdem vorhanden ist versteh', wer will. ^^
7:30 - 11:30 Uhr - Morgenprogramm
Meistens setzt sich das zusammen aus der Arbeit in der Außengruppe, diverse spezifische Therapie-Einheiten (Musik, Ergo, Physio etc.; wo man eben zugeteilt wurde), die über die Woche verteilt werden, 2mal in der Woche Gruppentherapie, 1x wöchentlich Visite und gelegentlichen Besuchen bei der Sozialarbeiterin, wenn geld-, arbeits- und/oder wohntechnisch Aufräumbeadarf für das Leben "draußen" besteht
Die "Arbeit" wird hier allerdings nicht allzu wörtlich genommen. Es besteht lediglich eine Anwesenheitspflicht, aber es bleibt einem weitestgehend selbst überlassen, ob man was tut oder nicht. Schließlich will man keinen unnötigen Stress verursachen oder gar Leistungsdruck ausüben. Es geht eigentlich nur darum, einen gewissen Tagesrythmus zu etablieren, weshalb die Tätigkeiten auch nicht sonderlich fordernd sind. Kennt ihr das, wenn jemand eine nicht enden wollende, langweilige und eigentlich unnötige Arbeit geringschätzig als Beschäftigungstherapie bezeichnet? Die haben Recht. Genau das ist es nämlich. Genau so läuft das ab. Das heißt sogar offiziell so. Ich nenn's aber meistens "Arbeit in der Außengruppe" oder so ähnlich, weil das für mich selbst besser/motivierender klingt. Denn alleine das Wort "Beschäftigungstherapie" hat zu Recht so einen seelenraubenden Beigeschmack. Beschäftigung gut und schön, aber das Therapeutische erschließt sich mir noch nicht ganz. :/
11:30 - 12:30 Uhr - Happa happa.
Auf dem Speiseplan stehen Vollkost, leichte Kost und vegetarisch zur Auswahl. Man kann natürlich auch kombinieren. (Falls es jemanden interessiert: Es wird darauf geachtet, so BIO wie möglich zu kochen.)
12:30 - 16:00 Uhr - Nachmittagsprogramm ...
... unterscheidet sich vom Morgen im Prinzip nur dahingehend, dass am Nachmittag gegebenenfalls Einzelgespräche mit den Ärzten, Therapeuten und Pflegern/Schwestern stattfinden. Hin und wieder schummelt sich auch eine Sportstunde dazu, von denen man in der Woche mind. 1 braucht. Ja, ok, auc hier gilt im Prinzip wieder nur die Anwesenheits- und keine Ausübungspflicht, aber trotzdem. -.- Je nach Teilnehmerzahl und -wunsch wird entweder Volleyball, Hockey, Fußball oder Badminton gespielt. Alternativ kann man der Kraftkammer einen Besuch abstatten oder spazieren gehen.
Ansonsten bleibt's bei der "Arbeit". Außer am Freitag, an dem schon mittags Schluss ist.
16:00 - 22:00 Uhr - FREI!
Der späte Nachmittag und Abend stehen zur freien Gestaltung zur Verfügung. Um 17:00 Uhr gibt's Abendessen, das im Normalfall nur aus einer kalten Jause besteht. Also wird dann oft Pizza bestellt, bzw. in die Ortschaft einkaufen gegangen und in der Stationsküche selbst gekocht.
Sa, So und Feiertage sind frei und werden gerne für Besuche usw. genutzt.
Der Raucherraum bietet zweckmäßig nüchternes Ambiente.
Wer keine Zigaretten dabei hat, braucht nur über die wortwörtlich Nikotingelben Wände zu lecken.
Ist also wirklich nicht schlimm hier in der "Klappse". Größtenteils bietet sie eine geschützte, weitestgehend ruhige, professionell betreute Umgebung, in der man mal runterkommen, sich sammeln und neu orientieren kann. Zwar weiß ich noch nicht, ob mir die Zeit hier tatsächlich was bringt, aber zumindest sehe ich es nicht als Fehler oder gar als Schwäche an, hierher gekommen zu sein.

Als negative Seiten sehe ich bisher nur die eine oder andere leicht anstrengende bis nervige Person, doch die Sorte hat man ja überall. Auch das präpubertäre Kindergartenerhalten mancher Pfleger und Schwestern, die wohl schon so lange mit psychisch Kranken zu tun haben, dass sie nun bei allen einen auf Erzieher machen und sie wie kleine Kinder behandeln, stößt einem ab und zu sauer auf. Es hält sich jedoch in Grenzen.

So, von mir aus wär's das wiedermal. Wenn's noch Fragen geben sollte, werde ich versuchen, die nach bestem Gewissen in dem Kommentaren zu beantworten.

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