S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): "Familie" (Journeyal #30)
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Sonntag, 1. März 2015

"Familie" (Journeyal #30)

Samstag, 28. Februar 2015
Wieder zurück.
War von gestern auf heute wieder bei meinem Bruder eingeladen. Ich wusste von Anfang an selbst nicht, warum ich mich von ihm abholen lassen soll. Nur um ein wenig aus der Klinik rauszukommen? Diese Besuche geben mir nichts anderes, außer vielleicht drei, vier Bier und gutes Essen. Doch das zählt für mich relativ wenig. Emotional gibt es mir rein gar nichts. Ich habe mich sogar dabei erwischt, Heimweh nach der Anstalt zu haben. Und tatsächlich bemerkte ich, je länger ich darüber nachdachte, dass ich derzeit lieber hier bin als irgendwo anders.

Sonntag, 01. März 2015
Es hätte eigentlich ein normaler, verdammt langweiliger Sonntag werden können. Alles ruhig, zu ruhig, ausgestorben, öde, Müdigkeit von der Ödnis, keinen Bock zu gar nichts haben, und ab und zu ein paar kleine Zukunftsangstschübe - wie immer eben.
Als ich die Tür zum Raucherraum öffnete geriet ich allerdings in ein Gespräch zwischen Oma Stricki und Alice (diese Woche erst angekommen; blond, freundlich, ruhiges Gemüt, meistens gut drauf). Bisher war mir der wirkliche Grund von Alices Aufenthalt hier nicht bekannt, weil sie die Sache gegenüber der Gruppe vorerst lieber für sich behielt. Oma Stricki hatte sie sich zuvor anscheinend anvertraut, und mit meiner Person in Anwesenheit hatte sie offenbar auch kein Problem. Von der Zurückhaltung war nichtmehr viel zu spüren.
[Ich mache sowas verdammt selten, sofern überhaupt, aber hier scheint es mir mehr als angemessen:
!!! TRIGGER-WARNUNG !!!]

Ihr Ex-Mann verging sich mehrmals massivst an ihren 4 Kindern. Oft an allen gleichzeitig, indem sie sich gegenseitig zusehen mussten. Dafür bekam er gerademal 3 1/2 Jahre, weil er sich vor Gericht geständig zeigte. Jedoch wurden Alice die Kinder nicht zugesprochen, sondern vom Jugendamt weggenommen, die Geschwister auseinander gerissen und kreuz und quer in Österreich verteilt. Zu allem Überfluss wird der Kontakt des "Vaters" zu den Kindern nicht unterbunden, er wird von den Ämtern sogar noch gefördert, indem ihm die neuen Adressen inkl. Telefonnummern mitgeteilt wurden. Außerdem MUSS Alice diese 3-monatige Therapie machen, damit sie wenigstens das Sorgerecht für die jüngste Tochter wieder zurückbekommt.
...
Wow.
Wisst ihr, was mir dazu als allererstes eingefallen ist?
"Raubkopierer werden mit Freiheitsentzug von bis zu 5 Jahren bestraft." - Findet den Fehler.
Das ist wiedermal ein schönes Beispiel dafür, dass ein hypothetischer wirtschaftlicher Schaden wichtiger ist und demnach härter bestraft werden muss, als ein tatsächlicher psychischer Schaden der heftigsten Sorte, den das Opfer und ihm nahestehende Personen ein Leben lang mit sich herumschleppen. Ein dreidach Hoch auf unser "Rechtssystem" ... nicht. "Im Namen des Volkes" AM ARSCH!
Bei den Bildern, die ich im Zusammenhang mit der Geschichte im Kopf habe,  wird mir beinahe schlecht. Gut möglich, dass ich daraufhin heute Nacht wieder Schrott träume. Die eigenen Probleme kommen einem richtig minderwertig vor, wenn man solche Sachen hört. Kurzzeitig vergisst man sogar, warum man überhaupt hier ist. Sobald es einem wieder einfällt, denkt man: "Ernsthaft? ... Deswegen?". Nicht umsonst ist es immer wieder mal Thema in den Therapien, dass man sich und seine Probleme ernstnehmen und nicht mit anderen vergleichen und dadurch herunterspielen soll. Ich werd' mich bemühen, aber Ho. Ly. Shit.

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