S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Hmmm ... (Journeyal #34)
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Sonntag, 15. März 2015

Hmmm ... (Journeyal #34)

Freitag, 13. März 2015, 17:58 Uhr
Schonmal einen handgeschriebenen Brief eines verurteilten Kinderschänders in den Händen gehalten und gelesen?
Das war mit Abstand das interessanteste Negativ des ganzen Tages.
Dabei handelte es sich um Post, die Alice von ihrem Ex aus dem Gefängnis bekommt, die sie mich lesen hat lassen. Sie würde ihn am liebsten tot sehen, und er beschreibt indes die Einzelzelle, seinen Tagesablauf und was er an Einkäufen brauchen würde. In dem Zusammenhang findet sich in dem Schreiben sogar noch die Anweisung, dass sie ihm Geld überweisen soll.
Absolut nichts an dem Teil hat in irgendeinerweise eine Art Schuldeingeständnis angedeutet. Sogar der Schrift selbst konnte man entnehmen, dass der Brief nicht unter Stress oder anderen negativen Einflüssen geschrieben wurde. Ich musste lachen, weil ich keine passenden Worte, die auch nur annähernd den over 9000 Facepalms und WHAT-THE-FUCKs gerecht werden, für eine solche Dreistigkeit finde.
Zusätzlich wurde Alices 3-monatiger, per Gericht angeordneter Aufentahlt hier um weitere 6 Monate psychiatrische Behandlung ergänzt. Erst dann hat sie gute Chancen, zumindest für die kleinste Tochter wieder das Sorgerecht zu bekommen. Die beiden Teenager-Mädels haben im Heim inzwischen mit Rauchen und Trinken angefangen. Eine davon hat bereits begonnen sich zu ritzen und äußert Suizidgedanken. Ein Beschluss untersagt es Alice, mit ihrem neuen Freund, der hilft wo es nur geht, zusammen in eine Wohnung zu ziehen, mit der Begründung, dass dieser ja ebenfalls den Kindern etwas antun könnte. Das Jugendamt verbietet sogar, dass die Geschwister sich untereinander kontaktieren. Aber Hauptsache die Arschgeburt von einem pathologisch gestörten "Vater" darf munter drauf los schreiben.
Das ist eine der Geschichten, die das Leben schreibt. Selbst die am unwirklichsten erscheinende Science Fiction kommt an so einen Schwachsinn nicht ran. Mir bleibt wirklich nurnoch übrig, zu Lachen und den Kopf zu schütteln, da ich ehrlich keine Worte für sowas finde. Und da soll man Vertrauen in die Ämter, die Justiz und das Rechtssystem haben? Am Arsch.

Das interessanteste Positiv heute?
Naja, ich hab' schon von Anfang an einen kleinen Crush auf die philippinisch-stämmnige Raumpflegerin hier im Haus. Sie hat ihre Haare meistens hochgesteckt, damit die nicht bei der Arbeit stören, doch ich wollte sie schon die ganze Zeit mal mit offenen Haaren sehen. Nachdem ich sie heute beiläufig fragte, wie lang denn ihre Haare sind, kann ich das nun auch von der Bucket List streichen. Die Frau ist 1,55m groß, ihre Haare nehmen davon mehr als die Hälfte ein - wie ein wunderschöner, pechschwarzer Wasserfall. :3

Samstag, 14. März 2014
Ich hatte recht: Es finden sich kaum noch Leute, mit denen man sich einfach nur unterhalten oder sonst irgendwie ein normales Wort wechseln kann, ohne die Themen Wetter und/oder Sport zu streifen. Ich hasse diesen Smalltalk-Scheiß ... und Sport sowieso.
Entweder sind die kurzen Gespräche schon von Beginn an schal, oder man merkt bald, dass sie innen hohl sind, sofern die Oberfläche zuvor interessant genug gewirkt hat, um etwas genauer nachzufragen. Hier findet sich nun beinahe kein Charakter mehr, der meine Aufmerksamkeit wecken würde. Bis auf Alices Geschichte wirkt alles so banal und belanglos. Dabei sei angemerkt, dass nur die Story nicht langweilt, die Person allerdings immer mehr unsympathische Macken aufweist.
Ich mag Menschen eben nicht. Und hier tauchen immer merkwür...ne, eben nicht merkwürdig, sondern bloß seltsamere Gestalten auf, denen man ihren Schaden schon von weitem oder nach den ersten paar gesprochenen Sätzen ankennt. Echt anstrengend. Das war mit ein Grund, warum ich mich den halben Tag lang im Zimmer verkroch, um an der Gitarre rumzuklimpern, die ich mir von einer Mitpatientin (bin grade zu faul, mir einen Namen auszudenken) ausgeborgt habe. Habe mit den Akkorden zu "Numb" von Linkin Park, "House of the Rising Sun" der Animals und "Free Bird" von Lynyrd Skynyrd das Umgreifen geübt - funktioniert inzwischen ganz gut.

Sonntag, 15. März 2015
Die Leute hier werden wirklich immer seltsamer. Je mehr man über sie erfährt, desto mehr möchte man Abstand von ihnen halten. Da hatte ich in meinem Aufenthaltszeitraum ja wirklich Glück mit meinen Mitpatienten. Jetzt werden die Zukunftsängste jedoch nach und nach vom aufkeimenden "ich will hier weg"-Gedanken überspielt.

Ich kann mir einiges von hier mitnehmen.
Die Entspannungstherapie und die Logopädie, vor allem das autogene Training helfen mir prima, geistig im Hier und Jetzt zu bleiben, sobald ich spüre, dass sich Gedanken an die Zukunft häufen und viel zu schnell viel zu unangenehm werden.
In den Einzelgesprächen wurde mir nicht nur Verständnis entgegengebracht und Unterstützung angeboten. Es kamen auch einige Fragen auf, die ich so noch nicht gestellt bekam, und es wurden mir Ansichten meiner Person aus anderen Perspektiven mitgeteilt, die ich ebenfalls noch nie so vernommen habe. Es gibt mir zu denken, und es liegt an mir, daraus was zu machen ... doch wird's sicher ein wenig dauern, denn ich kenne meinen nicht gerade kurzen Schlauch, auf dem ich zu stehen pflege, der zusätzlich ein paar Knicks und Knoten aufweist. :/
...
Und, so wie ich das bisher mitbekommen habe, bin ich so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was Leute über mich denken, wenn ich ihnen zum ersten Mal begegne. Denen nach bin ich nämlich ein guter (Kampf-)Sportler, Pessimimist mit angsteinflößendem Blick und habe für Süßigkeiten nichts übrig. Dafuq? óO

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