S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): "Damals" und jetzt (Journeyal #33)
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Sonntag, 8. März 2015

"Damals" und jetzt (Journeyal #33)

Sonntag, 08. März 2015
"Nonconformity - right. I can't remember the last time saw a twenty-something kid with a tattoo of an Asian letter on his wrist. You are one wicked free thinker!
You want to be a rebel? Stop being cool. Wear a pocket protector like [Wilson] does, and get a hair cut like the Asian kids that don't leave the library for twenty hour stretches. They're the ones who don't care what you think."
- Dr. Gregory House
Die Szene aus "House M.D." fällt mir jedes Mal ein, wenn sich der Mainstream als alterativ und/oder individualistisch bezeichnet. Wieviele von euch ihre ach-so-gegen-den-Strom Outfits bei H&M, New Yorker etc. kaufen, erkennt man daran, dass die praktisch nurnoch so "ausgefallenes" Zeug verkaufen.
Ich wollte gestern nichts weiter als zwei stinknormale Jeans kaufen. Wäre ich auf der Suche nach eingerissenem, stonewashed Stretch-Röhrendenim gewesen, hätte ich's in jedem Store in allen Farben zu sämtlichen Preisen haben können. Ihr wisst schon. Die Art Hosen, bei denen man enweder keinen Arsch oder keine Waden haben darf, weil man sonst nicht reinkommt. Einige hatten auch diverse hässliche Muster eingestickt. Wieder andere sind ab Werk schon so abgefuckt und vor-gevintage'd, dass von der Hose beinahe nichtsmehr übrig ist, aber kosten trotzdem 50€. Es gibt also Leute, die für eine halbe Hose freiwillig das doppelte von einer ganzen zahlen. Bin wohl schon zu alt, um das zu verstehen.
Jedenfalls hatte ich die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, doch schlenderte zum Schluss trotzdem noch in den C&A, und sei's nur komplettierungshalber gewesen, damit ich wirklich jeden Laden abgeklappert hatte. Siehe da: shit fucking 0-8-15 Jeans zu einem halbwegs angenehmen Preis, ohne Muster, Tubes oder twisted slim stretch-Scheiße! Ein einfaches Paar Hosen, nichts weiter.
C&A ist also der einzige Laden, wo man was herbekommt, dass sonst keiner (mehr) verkauft oder trägt, und ich bin einer der Wenigen, die das richtig gut finden.
...
Fuck, ich bin ein Hipster. D:

Nächste Woche ist die letzte vollständige Woche des Therapieaufenthalts. Insgesamt habe ich nurnoch 1 1/2 Wochen, dann geht's vorerst wieder zurück in ein Wohnheim, und das "echte" Leben geht dann ebenfalls wieder los. Jobsuche, Wohnungssuche und der ganze andere Bla rundherum.
Ein Teil von mir will hier gar nicht weg.
Der andere Part ist durch die Anti-Mindfuck-Medis soweit stillgelegt und denkt sich, dass es nicht so schlimm werden wird. Ich hab's schonmal gemacht, also weiß ich, was zu tun ist. Von einer waschechten Motivation dazu ist jedoch bei Weitem nicht zu sprechen. Habe noch immer keine Ahnung, warum ich mache, was ich eben mache, und was am Ende auf mich wartet. Ich weiß noch immer nicht, warum, wozu, für wen ich was tun sollte, doch es ist mir nun weitestgehend egal - ähnelt der Wirkung von Alkohol, nur ohne den Rauschzustand.

Was ich mir bisher mitnehmen kann sind unter anderem folgende Punkte:
- Hier gibt's Menschen, die einem zuhören und helfen (sofern man bereit ist, sie ihren Job machen zu lassen)
- Ich habe gewissen Fähigkeiten,  auf die ich mich verlassen und auf die ich zurückgreifen kann.
- Ich sollte mehr meinen Impulsen nachgeben, damit die Dinge überhaupt erstmal in Bewegung kommen, anstatt sie nur theoretisch immer wieder durchzugehen. Ich bin ohnehin kein Vorausplaner. Also lässt sich unterwegs noch genug über Optimierungen nachdenken.
- Ich muss einen Ausgleich finden. Es muss doch was geben, egal ob Beruf oder Hobby, das mich erdet. Und vielleicht lässt sich damit auch noch Geld machen.
- Ich muss versuchen, meinen Verstand mehr im Hier und Jetzt zu halten, und mir weniger Gedanken über eine eventuelle Zukunft und schmerzhafte Vergangenheit machen.
- Ich muss lernen, positive Gefühle von der bitteren Vergangenheit zu lösen, sie durch etwas gutes ersetzen, damit ich sie wieder einigermaßen unbeschwert zulassen und nutzen kann.
- Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, nicht alles kontrollieren, sondern lediglich kleinere Anstöße geben zu können.
- Ich werde mich früher oder später wieder auf Menschen einlassen müssen.
- Sich Zeit lassen. Nicht übermütig werden und voreilig handeln. Sich nicht übernehmen. Babyschritte machen.
Das ist doch schon einiges, oder? Das einzig falsche ist es, gar nichts zu tun. Ich weiß das schon längst. Nur weiß ich noch nicht, was ich alles anstellen will und kann. Meine Perspektive wurde ein klein wenig verrückt. sodass ich beinahe schon wieder eine Zukunft sehen kann. Bisher ist die Sicht allerdings noch sehr unscharf, und ein sehr trotzoger Teil in mir ist noch immer keinen Schritt weiter, als vor 3 Monaten.
Man darf also gespannt sein, wie's weitergeht.

Anscheinend hatte ich trotz dem sehr eingeschränkten praktisch nicht vorhandenen Programm über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage einen guten Zeitpunkt für die Therapie gefunden.
Die Neuen, die hier nach und nach aufgenommen werden, werden von Aufnahme zu Aufnahme seltsamer. Inzwischen lässt sich nurnoch mit sehr wenigen ein nicht ganz so oberflächliches Wort wechseln. Bei vielen ist lediglich Small-  oder gleich gar kein Talk zu empfehlen. Eine einfache Unterhaltung ist oft nicht möglich, da ihre Gedankensprünge nur schwer nachzuvollziehen sind oder sie keinen geraden Satz mit mehr als 3-5 Wörtern rausbringen ... sofern sie einem überhaupt folgen konnten, selbst wenn man nur über das Wetter redet. Teilweise sind sie so elend langsam und ... einfach nur anstrengend.
Nicht, dass mich hier jemand falsch versteht. Ich will auf keinen Fall sagen, dass sie dumm sind oder etwas ähnliches. Ja, man wundert sich, dass ihr Gehirn es schafft, den Großteil des Körpers grobmotorisch zu bewegen, und sie sind sich manchmal ihrer Umgebung nicht bewusst. Manche bilden sich sogar ein, alle, sogar das Personal müsste nach ihrer Pfeife tanzen, so als wären sie in einem Hotel. Ein paar "ferngesteuerte" ziellose umherwanderer habe wir auch. Aber andererseits hat Hodor, wie gesagt, einen Begabung dafür, sich Namen, Gesichter und diverse Daten blitzschnell zu merken. Rössi ist ein Schach-Geek der Sonderklasse, der mal Goalem innerhalb von 2 Minuten mit bloß einer einstelligen Anzahl an Zügen matt gesetzt hat. (Oh was habe ich gelacht. X'D) Doch es ist eben so, dass ich nicht wirklich ein Menschenfreund bin. Außerdem habe ich genug mit mir selbst zu tun. So kommt's, dass ich dem Umgang mit anstrengenden, socially besonders awkwarden Leuten nichts abgewinnen kann. Noch dazu, wenn keine vernünftige Unterhaltung mit ihnen möglich ist. So ist also eingetreten, was ich befürchtet habe: bis auf das Personal  ist hier fast niemand mehr, mit dem man reden kann.
Das einzig positive daran?
Nunrnoch 1 1/2 Wochen.

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