S Pink Premium Pointer Bio-Tagebuch (nur 3% Fantasie): Wenn man nichts gutes zu sagen hat ...
People used to remind me that "not everything's either black or white", but that doesn't mean they don't exist.
Because, where is all that grey coming from?

Donnerstag, 26. März 2015

Wenn man nichts gutes zu sagen hat ...

Heute wurde mir so einiger Unmut über diesen Artikel von Ronja von Rönne auf der Webseite der Zeitung "Die Welt" in die Twitter-TL gespült. Als Ergänzung zu ihrem Standpunkt wurde von Ronja noch dieser Blogeintrag hinterher gereicht (der es ehrlichgesagt nicht unbedingt besser macht ^^, was aber vielleicht auch gar keine Absicht war).

Ich, als Betroffener einer zeitweise schweren Depression, der gerademal von seinem ersten Therapieaufenthalt in einer Nevernheilklinik zurück ist, muss allerdings sagen, dass ich das Ausmaß des Buheis um den Artikel, trotz der Logik, nicht wirklich verstehe. Persönlich halte ich es für überzogen reaktionäres Gehabe - genau das Verhalten, über das im Artikel u.a. hergezogen wird.

Was denke ich also darüber?

[obligatorisches Bild eines unglaublich niedergeschlagen wirkenden Klischée-Menschen - vorzugsweise eine Frau - bitte hier einfügen]

1. Muss ich der Aussage des Artikels bis zu einem gewissen Grad Recht geben.

Es ist mir selbst schon länger ein Dorn im Auge, dass jeder dahergelaufene Emo mit einer Depression, Borderline oder ADHS oder what-the-fuck-ever als Diagnose "prahlen" kann. Diagnosen einer psychischen Krankheit scheinen sowas wie ein neuer Trend zu werden. Und es stimmt: Je mehr Psychologen, umso mehr Diagnosen. Ob diese nun fachlich kompetent durchgeführt wurden, bleibt dahingestellt.
Ganz vorne mit dabei: Burnout.
Ähnlich wie ADHS ist diese zu recht umstrittene Diagnose ist in der letzten Zeit sowas wie der VW Käfer unter den psychischen Erkrankungen geworden Und das, obwohl "Burnout" nur ein vager, umgangssprachlicher Überbegriff für eine Ansammlung von Erschöpfungserscheinungen und keine offizielle Diagnose darstellt. (Genauso, wie es offiziell keine Definition von "Killerspielen" gibt und der Begriff lediglich alle Spiele zusammenzufassen versucht, in denen auch nur annähernd etwas gewaltähnliches vorkommt.) Doch das macht es nur umso einfacher, diese "Diagnose" zu stellen. Und im Endeffekt hat praktisch jeder ein Bisschen davon.

Zusätzlich trägt das alles dazu bei, dass es bald kein Normal mehr gibt. Jeder verdammte Furz wird heutzutage schon untersucht, beobachtet, klassifiziert und bekommt dann sein Label aufgedrückt, bis abso-fucking-lut ALLES den Namen irgendeines Wissenschaftlers trägt, der's "entdeckt" hat.
Aber was ist schon "normal"? Nichts, doch diese Entwicklung macht auch einen gewissen grünen Bereich immer schmäler und schmäler, bis er nichtmehr existiert, weil der Wissensdrang der Menschen ad absurdum geführt wurde.

2. Kann ich den Standpunkt verstehen und nachvollziehen.

Es nervt - is' so.
Bipolare/manisch depressive Leute nerven, weil sie entweder zu gut oder zu down sind. Depressive Leute nerven, weil meistens so scheiß down sind. Borderliner nerven weil sie mit allem immer gleich so maßlos übertreiben müssen oder verletzen sich selbst, weil grade nichts anderes greifbar ist, mit dem sie maßlos übertreiben und sich einen Kick verpassen können, oder sie tun's zur Entlastung. Paranoide nerven und Schizos nerven und Choleriker ... AAAARGH!!!
Und man darf es ihnen aber nicht sagen, weil man dann gleich als kaltherzig gebranntmarkt wird. Sie sind schließlich krank und können nichts dafür.
Dafuq?! óO
Von wegen? Ein nicht zu unterschätzender Teil davon sind ohnehin nur irgendwelche Fashion Victims von Teens, die auf der Trendwelle reiten. Die sind nicht depressiv oder sonstwas, die wollen bloß dazugehören, weil sie sich in ihrem Gefühlswirr-warr nichts anderes anzufangen wissen und entweder noch keine eigene Persönlichkeit entwickelt haben oder sich noch nicht richtig trauen, für diese einzustehen. Das schimpft sich Pubertät, Kinder! Da mussten wir alle durch!

Womit wir eigentlich wieder bei Punkt 1 wären: Es wäre einfach allen geholfen, wenn nicht jeder gleich wegen jeder kleinen Verhaltensauffälligkeit eine Diagnose aufgedrückt bekäme oder sie sich schlimmstenfalls sogar selbst verpasst. Psychische Krankheiten sind nicht cool. Sie sind keine persönlichen Special Edition Signature-Charaktereigenschaften, die man stolz mit sich rumträgt und allen präsentiert. Es sind Leiden, und genau so fühlen sie sich an. Spaß ist anders. 
Und damit bin ich dabei, was ich hier eigentlich sagen will: Unsere Erkrankungen nerven vor allem uns selbst.
Noch dazu kann man sich nunmal nicht um jeden kümmern. Ganz bestimmt nicht, wenn man durch ein psychisches Leiden eingeschränkt ist und tagtäglich genug mit sich selbst zu kämpfen hat. Da muss es auch mal erlaubt sein, zu sagen, dass einem die Scheiße nervt - nicht nur die eigene, sondern auch von anderen. Dabei sehe ich nicht ein, warum gesunden Menschen "aus Rücksicht" das Recht aberkannt werden sollte, ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen.

3. Weil mich der Standpunkt sowas von scheiß immens anfuckt!

Es gibt nunmal einen beträchtlichen Teil von psychisch Kranken. Und ich meine hier wirklich k-r-a-n-k, nicht nur unglücklich.
Leute wie ich würden ohne Medikamente nicht funktionieren. Wir würden es an den meisten Tagen nichtmal aus dem Bett schaffen. Was erdreistet sich also jemand, zu behaupten, dass wir im Prinzip alle auf der selben Stufe des Unglücks stehen, und wir lediglich den Fehler machen, Zufriedenheit als Normalzustand anzusehen?
Schön, dass sich da jemand mit seinem jämmerlich belanglosen Dasein so gut abgefunden hat. Aber warum versuchen solche Leute mit einem derartig hohen Tellerrand, die offensichtlich keine tiefergehenden Erfahrungen im Umgang mit psychisch Kranken gemacht haben, und dahingehend dementsprechend keinerlei Kompetenzen aufweisen, sich das Recht herauszunehmen, über sie zu urteilen?
DAS ist es, was mich anfuckt.
Doch dahingehend gibt's leider noch viel schlimmere Leute mit ebenfalls viel schlimmereren, weil sogar noch unqulaifiziertereren Aussagen.
[Nachtrag 27.03.2015: Kuckt hierfür nur auf die Titelblätter und in die Berichte  zum Absturz der GermanWings-Maschine so ziemlich ALLER Tageszeitungen. Enough said. -.-]

Was ist so fucking schwer daran, die Dinge so sein zu lassen, wie sie sind? Und wenn sie einem nicht gefallen, dann nimmt man eben ein wenig Abstand davon. Aber man muss sie nicht gleich runtermachen oder gar zu ändern versuchen. Viele tun ja gerade so, als würde es wehtun, falls sie's nicht machen. Von mir aus klebt dem Zeug eine ID drauf, wenn ihr nicht anders könnt, aber:

Wenn man nichts gutes zu sagen hat, einfach mal die Fresse halten.

(Oh, the irony.)


CHRiS

PS:
Ich frage mich, wann Ignoranz offiziell als Krankheit anerkannt wird.

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